Mehr als zehntausend Entlassungen bei Tesla bestätigt – Politik will Jobs in Deutschland retten

Mehr als zehntausend Entlassungen bei Tesla bestätigt – Politik will Jobs in Deutschland retten

In den vergangenen Tagen hatte die Gerüchteküche gebrodelt, nun gab es die Bestätigung: Nachdem Tesla ein schwaches erstes Quartal hinter sich hat und den Erwartungen aus der Branche nicht gerecht werden konnte, reagiert der US-amerikanische E-Autobauer weltweit mit massiven Personalkürzungen.

Mindestens jeder zehnte Mitarbeitende ist betroffen

In einer internen E-Mail an die Belegschaft habe Firmenchef Elon Musk einen entsprechenden Stellenabbau bestätigt. Dieser soll laut Golem „mehr als zehn Prozent“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassen. Damit fallen die Personalkürzungen zwar immer noch horrend aus, allerdings wurde unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zuvor über einen Anteil von bis zu 20 Prozent spekuliert, wie es beim US-Branchendienst Electrek hieß.

In den vergangenen Jahren wurde das Tesla-Team durch Expansion stark vergrößert. Ende 2023 (Stand 31. Dezember) soll die Zahl der Beschäftigten bei rund 14.500 Mitarbeitenden gelegen haben, wie die folgende Grafik von Statista zeigt. Demnach umfasst der angekündigte Stellenabbau von Tesla rund 14.000 Angestellte.

Politik sorgt sich um Angestellte in Brandenburg

Auch der vergleichsweise neue deutsche Standort im brandenburgischen Grünheide soll von den Kürzungen nicht verschont bleiben: In Berichten war zunächst die Rede von 3.000 Stellen, die vor Ort gestrichen werden sollen. Tesla habe diese Zahl inzwischen zurückgewiesen – sie „entbehrt dabei jeder Grundlage“, zitiert die Tagesschau das Unternehmen. Man wolle die Maßnahme prüfen und „sie für die Gigafactory Berlin-Brandenburg vor dem Hintergrund aller arbeitsrechtlichen und mitbestimmungspflichtigen Erfordernisse unter Einbeziehung des Betriebsrates verfolgen“.

Obwohl der genaue Umfang potenzieller hiesiger Stellenstreichungen aktuell noch nicht klar ist, hat sich die Politik bereits zu Wort gemeldet. So habe die Brandenburger FDP die Landesregierung aufgefordert, unverzüglich zu handeln: „Ministerpräsident Woidke muss den nächsten Flieger nach Los Angeles nehmen, um mit Elon Musk über die Rettung von Arbeitsplätzen in Brandenburg zu sprechen. Alle anderen Termine und Verpflichtungen müssen jetzt hintenan stehen“, wird Zyon Braun, Spitzenkandidat der FDP Brandenburg, in einer dpa-Meldung zitiert. 

Aus der Linksfraktion war zudem Kritik zu hören, nach der sich Brandenburg in eine „gefährliche Abhängigkeit“ von Musk begeben habe, heißt es weiter. Nun räche es sich, „dass die Landesregierung ohne jede Strategie versucht, Brandenburg zukunftssicher zu machen und allein auf den Leuchtturm in Grünheide setzte“. 

Auch der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hat sich bereits zu Wort gemeldet und sich zu den Berichten geäußert, die von 3.000 betroffenen Stellen sprachen. Er gehe von einer deutlich geringeren Zahl aus: „Wenn es zu einem Stellenabbau bei Tesla in Grünheide kommen sollte, dürfte sich die Zahl der Stellen nach unseren Informationen nicht um 3.000 bewegen, sondern signifikant niedriger ausfallen.“

 

Tesla-Verkäufe brechen ein

Im ersten Quartal 2024 hatte Tesla deutlich weniger Autos verkauft: Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum sank die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge weltweit um 8,5 Prozent auf 386.810. Es handelt sich im Vorjahresvergleich um den ersten Rückgang bei Auslieferungen seit 2020, so Golem.

Hinter der Entwicklung stehen etwa Rückschläge in der Produktion, die wiederum auf Teilemangel oder den Brandanschlag am Standort Grünheide in Brandenburg zurückgehen. Auch die Model-3-Einführung in den USA habe zu Produktionsverringerungen geführt. Neben diesen durchaus legitimen Begründungen gäbe es jedoch auch eine Entwicklung, für die es laut Electrek „keine gute Erklärung“ gegeben habe: Tesla soll seinen Lagerbestand in nur einem Quartal auf 46.000 Fahrzeuge aufgestockt haben.

Es sei nun davon auszugehen, dass Tesla die eigene Produktion zurückfährt, um der sinkenden Nachfrage Rechnung zu tragen. Mit den mutmaßlichen Entlassungen würden dann weitere Kosteneinsparungen vorgenommen.

Entlassungswelle würde sich von bisherigen Kürzungen unterscheiden

Jährliche Entlassungswellen seien bei Tesla grundsätzlich nicht ungewöhnlich, heißt es weiter. Mit solchen Personalkürzungen habe das Unternehmen in der Vergangenheit etwa „auf ineffiziente Einstellungen angesichts des raschen Personalwachstums“ oder auf schlechte Leistungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern reagiert. 

Allerdings liege der Fall dieses Mal anders und die Entlassungswelle sei anders einzuschätzen, weil sie eben nicht auf zu schnelles Personalwachstum zurückzuführen sei, sondern auf eine schwache Bilanz folge.

 

Der Beitrag wurde nach Veröffentlichung bearbeitet und um neue Informationen ergänzt. 

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Artikelbild: http://www.depositphotos.com

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