Viele sind jetzt ihre Jobs los: Das wissen wir über die Sylter „Nazi“-Schnösel

Viele sind jetzt ihre Jobs los: Das wissen wir über die Sylter „Nazi“-Schnösel

Es sieht erst nach einer wilden Party aus, nach viel Spaß, einem feuchtfröhlichen Abend. Das Video, das gerade in den sozialen Netzwerken, aber auch etablierten Medien kursiert, zeigt junge Menschen beim Feiern. Wer aber den Ton anschaltet, dürfte fassungslos sein.

Einige Anwesende skandieren Sätze wie „Ausländer raus!“ und „Deutschland den Deutschen!“. Ein junger Mann hält sich zwei Finger an den Mund, streckt die Hand in die Luft und imitiert damit offenbar Adolf Hitler. Keiner der Umstehenden scheint sich daran zu stören.

Das Video soll am Pfingstwochenende im Außenbereich des Sylter Nobel-Clubs „Pony“ entstanden sein. Schon jetzt ist klar, dass der Vorfall für einige der Personen, die im Clip zu sehen sind, ein Nachspielt hat.

Denn: Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und des Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen. Das geht aus einem Bericht des „Spiegel“ hervor. Für mehrere Pöbler hat der Skandal-Auftritt außerdem berufliche Konsequenzen, wie mehrere Medien berichten.

Das wissen wir über die Sylt-Pöbler

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung war der Mann, der sich zwei Finger an den Mund presst, bis vor kurzem noch für eine Werbeagentur tätig. Sein Arbeitgeber hat Moritz N. offenbar erkannt und „sofort fristlos gekündigt“.

Die Münchner Agentur Serviceplan hat ein Instagram-Statement abgegeben, das sich auf N. beziehen könnte. Darin heißt es: „Wir sind ein weltoffenes Unternehmen und leben unser Leitbild der Stärke durch Vielfalt in allen unseren Houses of Communcation mit 6.000 Kolleg:innen aus mehr als 50 Ländern weltweit täglich.“

Rassismus „wird innerhalb der Agenturgruppe in keiner Form geduldet“. Als der Sylt-Vorfall bekannt geworden sei, habe man „sofort gehandelt und eine fristlose Kündigung ausgesprochen“.

N.s Vater ist offenbar als Arzt im Allgäu tätig. Er wollte sich auf Anfrage der „Bild“-Zeitung nicht zu den aktuellen Vorfällen äußern – auch im Namen seines Sohnes.

Auch Elisa K. ist ihren Job los

N. ist nicht der Einzige, für den die Grölerei im Nobel-Club Folgen hat. Zu Beginn des Skandal-Videos ist auch eine junge Frau zu sehen, die „Ausländer raus, Deutschland den Deutschen!“ brüllt: Elisa K..

Sie stammt laut „Bild“-Zeitung aus einer reichen Familie, die im Hamburger Raum lebt, und arbeitete bisher für die bekannte Influencerin Milena Karl. Nach den Ereignissen auf dem Außengelände des „Pony“ ist auch sie ihren Job los.

In einer Instagram-Story schreibt Karl, sie sei „schockiert, entsetzt und verletzt“, dass „eine der Personen in dem Video mit mir in einem Anstellungsverhältnis stand“. Für Karl, so erklärt sie es in der Story, war klar, dass sie die Zusammenarbeit sofort beendet.

Wie sehr sie das Sylt-Video aufwühlt, macht die Influencerin am Ende ihres Statements deutlich. „Ich bin selbst Migrantin und als werdende Mutter steht alles, was in diesem Video zu sehen ist, für eine Gesellschaft, in der ich mein Kind nicht großziehen möchte.“

Uni distanziert sich von „Ausländer raus“-Brüllern

Auch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg meldete sich im Zusammenhang mit dem Sylt-Video zu Wort. Es bestehe der Verdacht, „dass es sich bei einer der beteiligten Personen um eine Studierende der Hochschule handelt“, heißt es in einem öffentlichen Statement .

Die Einrichtung teilte außerdem mit: „Ein solches Verhalten ist ganz und gar nicht normal und nicht hinzunehmen. Wir stehen als weltoffene Hochschule klar dagegen und tolerieren derartige menschenverachtende Äußerungen in keiner Form.“

Offenbar lebt ein Großteil der Gruppe, die im Video ausländerfeindliche Parolen skandiert, in München, wie aus einem Bericht des Kölner Senders „RTL“ hervorgeht. So auch Maximilian F., der sich als Luxus-Influencer einen Namen gemacht hat.

Auch Juri B. verliert seinen Job

Juri B., der im Video nicht zu sehen ist, soll ebenfalls vor Ort gewesen sein. Er arbeitete als Berater für mittelständische Unternehmen, heißt es im Bericht der „Bild“-Zeitung. Die Betonung liegt auf „arbeitete“ – denn offenbar ereilte ihn das gleiche Schicksal wie Elisa K. und Moritz N..

Die Zeitung zitiert seinen Arbeitgeber mit den Worten: „Wir sind schockiert über den abscheulichen Inhalt des Videos. Als der Vorfall bekannt wurde, haben wir umgehend reagiert und den Mitarbeiter fristlos gekündigt.“

Übrigens: Auch die Deutsche Bank hat auf Instagram in einer Story auf das Sylt-Video reagiert. Der Beitrag legt nahe, dass auch dort jemand arbeitet, der im „Ausländer raus“-Clip zu sehen oder zu hören ist.

„Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von Meinungen und Kommentaren, wie sie in dem aktuell kursierenden Video geäußert werden“, heißt es in der Story. Derzeit würden Hinweise geprüft.

„Pony“-Betreiber sind schockiert

Die Betreiber der Sylter „Pony“-Bar sind indes schockiert. Tom Kinder sagte zu FOCUS online, man habe gar nicht mitbekommen, was da vor sich ging. „Wir sind ein weltoffener Laden“, sagte er unserer Redaktion. „Nazi-Parolen sind hier nicht willkommen!“

In einem Post auf Instagram erklärten die Betreiber der Bar außerdem, dass ihnen die Namen derjenigen, die auf dem Video ausländerfeindliche Parolen brüllen, zugespielt wurden. Was das bedeutet, ist klar: „Wir werden dieses widerliche Verhalten anzeigen und alle strafrechtlichen Möglichkeiten nutzen!!!“

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