Tennis-Paukenschlag ein Warnsignal? – Was das Aus von Barbara Rittner wirklich bedeutet

Tennis-Paukenschlag ein Warnsignal? – Was das Aus von Barbara Rittner wirklich bedeutet

Am Sonntagmittag hat Barbara Rittner ihr Amt als Bundestrainerin beim Deutschen Tennisbund (DTB) niedergelegt. Nach 19 Jahren als Head of Women‘s Tennis geht eine Ära zu Ende, jedoch nicht nur die Ära von Rittner – auch ein Generationswechsel im deutschen Tennis steht bevor.

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Unter Rittner feierten die DTB-Damen zahlreiche Erfolge, besonders hervorzuheben sind die drei Grand-Slam-Titel von Angelique Kerber, der überraschende Wimbledon-Finaleinzug von Sabine Lisicki, zahlreiche Erfolge auf nationaler Ebene – unter anderem die Titel beim prestigeträchtigen WTA Turnier in Stuttgart von Julia Görges (2011), Kerber (2015 und 2016) und Laura Siegemund (2017) – sowie das Erreichen des Fed-Cup-Finals mit der Nationalmannschaft (2014).

Tennis-Deutschland hat Rittner und Co. viele Erfolge zu verdanken

Fragt sich: Was folgt auf Kerber, Lisicki, Görges, Siegemund und Co.? Denn die aktuelle sportliche Situation lässt, wenn man die WTA-Weltrangliste beäugt, aus deutscher Sicht zu wünschen übrig. Mit Tatjana Maria (Position 50) und Laura Siegemund (Position 90) stehen lediglich zwei Spielerinnen unter den Top-100, beide befinden sich im Spätherbst ihrer Karriere.

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Auch wenn das deutsche Damentennis in den vergangenen zwei Jahrzehnten quasi vom Erfolge verwöhnt war, endete am Sonntag nicht nur die Rittner-Ära, sondern irgendwo auch die einer gesamten Generation. „Ich bin stolz auf die vielen Spielerinnen, die wir auf ihrem Weg nach oben unterstützt haben und auf die Erfolge, die wir gemeinsam mit ihnen feiern durften“, sagte Rittner.

Maria ist mittlerweile 36 Jahre alt. Die zweifache Mutter wird von ihrer Familie auf der Tour stets begleitet. Sollte sie nach ihrem famosen Halbfinaleinzug bei der denkwürdigen Wimbledon-Ausgabe von 2022 (erstmals in der Wimbledon-Geschichte wurden wegen der Corona-Bedingungen keine Weltranglistenpunkte vergeben) noch weitere Erfolge verbuchen können, wäre es das i-Tüpfelchen auf eine erfolgreiche Karriere. Ähnliches gilt für Siegemund (35 Jahre), deren Grand-Slam-Triumph im Doppel bei den US Open 2020 den Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere markiert.

Wie lange spielen Kerber, Lisicki, Maria und Siegemund noch?

Maria und Siegemund haben ihr Soll also mehr als erfüllt, doch stellt das Duo die beiden bestplatzierten Spielerinnen aus Deutschland dar. Ein baldiges Karriereende bahnt sich zwar noch nicht unmittelbar an, ewig werden sie aber nicht mehr spielen – es droht also ein Rennen gegen die Zeit. Denn mit Görges hat bereits eine Spielerin des Rittner-Quintetts ihre aktive Karriere beendet.

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Neben Maria und Siegemund steuern auch Kerber (36) und Lisicki (34) auf das Ende ihrer Laufbahn zu. Während Lisicki, von Verletzungen geplagt, sich in jüngster Vergangenheit auf der zweitklassigen ITF-Tour abmühte, meldete sich Kerber mit dem Überraschungs-Coup beim United Cup (gemeinsam mit Alexander Zverev und Doppel-Spezialistin Siegemund) nach ihrer Babypause eindrucksvoll zurück.

Zverev nach deutschem United-Cup-Triumph: “Schwieriger als ein Grand Slam”

Eine Wachablösung im deutschen Damentennis scheint daher unabdingbar. Doch müssen so langsam mal die ‚Wächterinnen‘ auserkoren werden, sofern es diese denn überhaupt gibt? Zwar verabschiedete sich Rittner am Sonntag in ihrem Instagram-Post neben dem Erfolgs-Quintett, Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld auch bei den Nachwuchsspielerinnen, jedoch ohne diese namentlich zu erwähnen.

Potenzial im deutschen Damen-Tennis vorhanden

Sicherlich verfügt der DTB mit Jule Niemeier (24), Eva Lys (22), Noma Noha Akugue (20), Nastasja Schunk (20) und Ella Seidel (19) über das nächste vielversprechende Quintett, doch so langsam ist es an der Zeit, „vielversprechend“ auch in Erfolge umzumünzen. Niemeier droht, als One-Hit-Wonder in Vergessenheit zu geraten, nachdem der Erfolg seit ihrem Viertelfinaleinzug in Wimbledon 2022 und dem Absturz in der Weltrangliste auf Position 159 ausbleibt.

Lys, Noha Akugue und Schunk ließen immer wieder aufhorchen, verpassten es aber – bis dato – sich in der Weltspitze zu etablieren. Seidel kassierte bei ihrem ersten Grand-Slam-Auftritt gegen die spätere Titelgewinnerin Aryna Sabalenka beinahe die Höchststrafe (Endergebnis 0:6 1:6), dabei flossen ihr die Tränen.

Der deutsche Nachwuchs ist dringendst auf sportliche Erfolge angewiesen, der Welpenschutz ist allmählich passé. Rittners Abgang ist weitaus mehr als nur ein Symbol oder ein Aufruf an die nächste Generation. Rittner betonte am Sonntag: „Es ist der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung.“ Eine Veränderung, die unabdingbar scheint.

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Jetzt gilt es für junge Spielerinnen, in die Fußstapfen des Rittner-Quintetts zu treten. Das Potential dazu ist allemal vorhanden, es braucht aber noch den passenden Leader – sozusagen die nächste Barbara Rittner.

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